Sozialabbau: Unterschied zwischen den Versionen
Erscheinungsbild
Keine Bearbeitungszusammenfassung |
|||
| (Eine dazwischenliegende Version desselben Benutzers wird nicht angezeigt) | |||
| Zeile 5: | Zeile 5: | ||
=== Zur Person === | === Zur Person === | ||
* Interview mit [[Dierk Hirschel]], Chefvolkswirt von [[verdi]] | * Interview mit [[Dierk Hirschel]], Chefvolkswirt von [[verdi]] | ||
* Überschrift: „Sparkommissar [[Lars Klingbeil|Klingbeil]] gefährdet den Aufschwung“ | * Überschrift: „Sparkommissar [[Lars Klingbeil|Klingbeil]] gefährdet den Aufschwung“ | ||
=== Diagnose der Konjunktur === | === Diagnose der Konjunktur === | ||
* Aufschwung steht auf wackligen Beinen; Treiber: öffentliche Investitionen, Exporte nach Europa und Asien (Sonderkonjunktur durch kriegsbedingt unterbrochene Lieferketten) | * Aufschwung steht auf wackligen Beinen; Treiber: öffentliche Investitionen, Exporte nach Europa und Asien (Sonderkonjunktur durch kriegsbedingt unterbrochene Lieferketten) | ||
* Flaute wurde nicht durch Sozialausgaben oder „faule Beschäftigte“ verursacht, sondern durch | * Flaute wurde nicht durch Sozialausgaben oder „faule Beschäftigte“ verursacht, sondern durch lahmenden privaten Konsum, gestresstes Exportmodell, marode Infrastruktur und teure Energie | ||
=== Kritik an der Bundesregierung === | === Kritik an der Bundesregierung === | ||
Aktuelle Version vom 22. Oktober 2026, 14:34 Uhr
Interview zu den Folgen des Sozialabbaus: „Sparkommissar Klingbeil gefährdet den Aufschwung“
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Quelle: FR / Wirtschaft, 22.10.2026 (Steffen Herrmann)
Zur Person
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Interview mit Dierk Hirschel, Chefvolkswirt von verdi
- Überschrift: „Sparkommissar Klingbeil gefährdet den Aufschwung“
Diagnose der Konjunktur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Aufschwung steht auf wackligen Beinen; Treiber: öffentliche Investitionen, Exporte nach Europa und Asien (Sonderkonjunktur durch kriegsbedingt unterbrochene Lieferketten)
- Flaute wurde nicht durch Sozialausgaben oder „faule Beschäftigte“ verursacht, sondern durch lahmenden privaten Konsum, gestresstes Exportmodell, marode Infrastruktur und teure Energie
Kritik an der Bundesregierung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Sparpolitik der schwarz-roten Koalition sei „Gift für die Konjunktur“: Sozialabbau und längeres Arbeiten als falsches Rezept
- Bundeshalt auf den ersten Blick kein Sparhaushalt: Dank 500 Mrd. € Sondervermögen steigen die Staatsausgaben – profitieren aber nur Verteidigungsminister Pistorius und die Gläubiger (Verteidigungsausgaben bis 2030 +60 %, Zinslast verdoppelt sich)
- Ohne Militär- und Zinsausgaben schrumpfen die Staatsausgaben um 17 %
- „Sparkommissar Klingbeil gefährdet den Aufschwung“: bereits zwei von fünf Deutschen geben weniger aus aus Sorge vor Sozialabbau
- Teufelskreis: Kürzungen entziehen Nachfrage → Wachstum wird abgewürgt → weniger Steuereinnahmen → wachsendes Haushaltsdefizit → zweite und dritte Sparpakete
Hirschels Gegenrezepte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Konsum ankurbeln: Stärkung der Verhandlungsmacht der Beschäftigten, erleichterte Allgemeinverbindlichkeit und kollektive Nachwirkung der Tarifverträge, 15 € Mindestlohn
- Arbeitskosten-Debatte: deutsche Lohnstückkosten stiegen zwei Jahrzehnte schwächer als im Euroraum; Deutschland ist Exporteuropameister und weltweit drittgrößter Exporteur
- Exportstress durch Trumps Zollpolitik, Pekings industrielle Modernisierung, Euroaufwertung und teure Energie – kein Lohnverzicht helfe dagegen
- Industrie: Produktion 13 % unter Niveau 2019, über 600.000 abgebaute Arbeitsplätze; Ursachen: Managementfehler (Dieselskandal, Technologieoffenheit) und fehlende Industriepolitik
- Nötig: gezielte Investitionsförderung, langfristige Perspektive bei Energiepreisen, Entkopplung des Gasmarktes vom Strommarkt (Vorbild Iberische Halbinsel)
- „Soziales Wachstum“: Ausbau und Modernisierung von Sozialstaat, Daseinsvorsorge und sozialer Infrastruktur (Bildung, Gesundheit, Pflege, Energie, Mobilität, Verwaltung, Sport, Kultur, bezahlbares Wohnen)
- Je über 100.000 fehlende Fachkräfte in Krankenhäusern und Altenpflegeheimen; Personalaufbau erhöht Einkommen und Konsum
- Finanzierung durch gerechte Steuerpolitik und reformierte Schuldenbremse; Vorbild Skandinavien – „Der Sozialstaat ist Produktivkraft“
- Rente: Kapitalsäule erhöht Rentenversicherungsbeiträge, sinkende Nettolöhne dämpfen den Konsum – laut verdi 2028 ein Prozent Wachstum und 250.000 Arbeitsplätze weniger
- Kurzfristig ein „Konjunkturkiller“; stattdessen Stärkung des krisenfesten umlagebasierten Rentensystems
Ausblick
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Optimismus, dass ein sozialer Kahlschlag verhindert wird: Mehrheit der Bevölkerung lehnt die Kürzungspolitik ab; Mobilisierung mit Bündnispartnern
- Streitpunkte: sachgrundlose Befristung, Achtstundentag, Kürzungen bei Rente und Pflege („Giftzähne müssen gezogen werden“)
- Warnung: Gescheiterter Sozialabbau wirkt als „politischer Brandbeschleuniger“ für den organisierten Rechtsextremismus
- Bei den Wahlen in Sachsen-Anhalt habe ein maßgeblicher Teil aus Sozialprotest die AfD gewählt; Gewerkschaften müssten sich an die Spitze des Sozialprotests stellen