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Kommunalwahlprogramm 2026/ Kapitel 17

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Kultur für alle

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Aus: Die Linke. Kreisverband Frankfurt am Main, Programm zur Kommunalwahl am 15. März 2026 (Beschluss der Kreismitgliederversammlung vom 25. Oktober 2025), Kapitel 17, Seiten 56–58.

Frankfurt war und ist ein gesellschaftspolitisches Labor: Kunst, Wissenschaft und soziale Bewegungen haben hier das geistige Klima geprägt und frühzeitig emanzipatorische Impulse gesetzt. Viele gesellschaftliche Konflikte wurden in Frankfurt früher sichtbar als anderswo.

Kultur schafft gesellschaftlichen Wert, den der Markt allein nicht sichern kann. Auf diese Weise ermöglicht sie Teilhabe unabhängig von Herkunft oder Einkommen und wirkt sozialer Spaltung entgegen. Gleichzeitig bildet Kultur einen essenziellen Teil der Frankfurter Demokratieinfrastruktur. Bühne, Museum und Soziokultur sind Räume, in denen gesellschaftliche Debatten, solidarisches Miteinander und emanzipatorische Vermittlung erfahrbar werden. In Zeiten, in denen die Freiheit der Kunst durch rechte Angriffe und Sparpolitik unter Druck gerät, verteidigen wir Frankfurts vielfältige Kulturlandschaft entschieden – ohne Gesinnungsprüfung, aber mit Haltung.

Frankfurt hat eine Kunst- und Kulturlandschaft mit überregionaler Ausstrahlung. Theater, Museen, Bibliotheken, die breite Soziokultur, Denkmäler, die Programmkinos sowie die Musik- und Clubszene prägen die kulturelle Identität der Stadt. Doch noch immer stehen finanzielle und gesellschaftliche Hürden der kulturellen Teilhabe im Weg.

Die Linke will Kultur als Teil öffentlicher Daseinsvorsorge sichern. Wir stehen für eine solidarische Kulturpolitik, die Teilhabe für alle ermöglicht und Vielfalt schützt – unabhängig vom Geldbeutel, vom Pass oder von der Bühne.

Teilhabe stärken, Kultur allen öffnen

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Kulturelle Bildung und Teilhabe gehören zur Daseinsvorsorge, sie muss allen offenstehen. Trotz ermäßigter Eintrittspreise in vielen Einrichtungen bestehen weiterhin finanzielle und gesellschaftliche Barrieren. Es gilt, diese Barrieren abzubauen, soziale Ausgrenzung zu bekämpfen und kostengünstige oder kostenfreie Angebote zu schaffen.

Kunst- und Kulturschaffende wiederum sollen in Frankfurt gute Lebens- und Arbeitsbedingungen vorfinden. Derzeit dominieren im Kultursektor prekäre Beschäftigungsverhältnisse und Selbstausbeutung durch projektbezogene Aufträge, eine geringe soziale Absicherung und oftmals Einkommen unterhalb der Existenzsicherung.

Die Linke fordert:

  • Soziale Preispolitik bei allen Kultureinrichtungen und mehr kostenlose oder kostengünstige Kulturangebote.
  • Mehr städtische Mittel und verlässliche Förderung für die freie Szene, kleinere Kunst- und Kulturinitiativen, etwa Stadtteilkinos, das Filmhaus Frankfurt sowie Sommerwerft und Stoffel.
  • Mehrjährige institutionelle Förderung statt kurzfristiger Projektfinanzierung, um prekäre Arbeitsbedingungen einzudämmen.
  • Kulturangebote auch in Randlagen ermöglichen – durch vereinfachte Zwischennutzung leerstehender Gebäude und günstige Räume für Ateliers, Theater und Musik im Rahmen des „Kunst belebt“-Programms.
  • Digitalisierung im Kulturbereich fördern, für bessere Teilhabe und Vermittlung.
  • Neuer Fördertopf für Eigen- und Ausstellungshonorare Bildender Künstler*innen.
  • Kunst im öffentlichen Raum fördern und mehr legale Orte für Graffiti-Kunst schaffen.
  • Interkulturelle Kulturinitiativen unterstützen, für Austausch und gelebte Vielfalt.
  • Zeitgemäße Umgestaltung der Dauerausstellung in der Paulskirche. Eine Bebauung des Paulsplatzes lehnen wir ab.
  • Dippemess bleibt! Der Festplatz am Ratsweg wird nicht geopfert.
  • Freie Szene in den Tourismusbeirat – Mitsprache bei der Verwendung der Tourismusabgabe.

Theater stärken und öffnen

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Frankfurt hat eine vielfältige Theaterlandschaft. Die Frankfurter Linke steht zu den Städtischen Bühnen. Die Finanzierung des Neubaus der Städtischen Bühnen kann die Stadt nicht allein stemmen, die Bundesregierung und das Land Hessen müssen sich daran beteiligen. Beim Neubau muss der Denkmalschutz insbesondere für das „Wolkenfoyer“ als Teil eines bedeutenden Baus der Nachkriegsmoderne beachtet werden.

Auch angesichts der enormen Kosten dieses Projektes muss ein Konzept zur Öffnung dieser Häuser für die diverser werdende Stadtgesellschaft als integraler Teil aller Planungen entwickelt werden.

Auch die freie Theaterszene wollen wir stärken: Sie braucht eine verlässliche Finanzierung, mehr Räume und Unterstützung durch die Stadt.

Die Linke fordert:

  • Für die Städtischen Bühnen braucht es ein Konzept zur sozialen Öffnung. Nicht verkaufte Karten sollen bis zehn Minuten vor Veranstaltungsbeginn an Jugendliche und Frankfurt-Pass-Inhaber*innen zu einem symbolischen Preis vergeben werden.
  • „Theaterdonner in den Stadtteilen“: Mobilen Stadtteil-Kultursommer initiieren mit Bühnen vor Ort.
  • Mehr städtische Förderung der freien Kulturszene – insbesondere für kleinere Kunst- und Kulturinitiativen, Ausstellungsräume sowie Film- und Kulturfeste.
  • Sanierung und Ausbau der Naxoshalle als Spielstätte für freie Gruppen.
  • Aufbau des Kinder- und Jugendtheaters im Zoo-Gesellschaftshaus als Produktionshaus unter Einbindung der örtlichen freien Szene.
  • Institutionelle Förderung des Theaters in der Engelsburg in Sindlingen als Vorbild für den Ausbau von Kultur in den Stadtteilen.
  • Klimaneutrale Betriebskonzepte für Kulturstätten fördern.

Frankfurt verfügt über eine herausragende Museumslandschaft, die es zu bewahren und zu fördern gilt. Hier sind die Möglichkeiten der kulturellen Bildung und ästhetischen Erziehung vorhanden.

Die Linke fordert:

  • Kostenloser Eintritt in alle Museen, zunächst für Frankfurt-Pass-Inhaber*innen, mittelfristig für alle.
  • Ankaufsetats der Museen anheben und Sammlungsbestände gezielt ausbauen.
  • Reduzierte Öffnungszeiten in den Frankfurter Museen rückgängig machen.

Bibliotheken stärken

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Bibliotheken sind die Herzkammer der kulturellen Bildung. Sie bieten einen Zugang zu Kultur, zu Medien und sozialer Interaktion. Wir wollen, dass Bibliotheken offene Foren der Stadtgesellschaft sind.

Die Linke fordert:

  • Gebührenfreie Nutzung der städtischen Bibliotheken. Erweiterte Öffnungszeiten, insbesondere keine Schließungen der Stadtteilbibliotheken in den Ferien.
  • Stadtteilbibliotheken erhalten und ausbauen.
  • Digitalisierung von Bibliotheken und Archiven fördern.

Kulturelle Bildung für Kinder und Jugendliche

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Kulturelle Bildung ist essenziell für die individuelle Entwicklung der Kinder. Es gilt, insbesondere auch Kinder aus einkommensschwachen Familien und Kinder mit Migrationsgeschichte die Teilhabe an Kunst und Kultur zu ermöglichen. Wir schlagen ein „Kinder-Kultur-Programm“ vor, das auf Theater, den Zugang zu Museen und auf musikalische Früherziehung setzt.

Die Linke fordert:

  • Ein städtisches Programm „Kinder für einen Euro ins Theater“.
  • Drei „Klingende Mobile“ für Kitas und Grundschulen zur musikalischen Früherziehung – gemeinsam mit den Musikschulen.
  • Ein Kulturpass für alle Kinder mit einem Guthaben von 100 Euro jährlich zur freien Nutzung kultureller Angebote.

Erinnerungs- und Erkenntniskultur

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Dem erstarkenden Faschismus und Antisemitismus muss die Stadt Frankfurt entschieden entgegentreten. Deshalb müssen bestehende Programme gesichert und neue Formate entwickelt werden. Das Erinnern an die Opfer des Faschismus muss ein wichtiger Bestandteil der Kulturpolitik sein. Erinnerungsorte wie das Denkmal der Kindertransporte oder die ehemaligen Adlerwerke als Außenstelle des Konzentrationslagers Katzbach sind stärker zu unterstützen.

Die Linke fordert:

  • Erhöhung der Mittel für die Bildungsstätte Anne Frank und das Fritz Bauer Institut.
  • Bis zu 30 % Zuschuss für Klassenfahrten zu KZ-Gedenkstätten aus dem Bildungsetat.
  • Regelmäßige Film-Programme zur Aufarbeitung der NS-Zeit für Schulklassen und Jugendgruppen, in Zusammenarbeit mit den Programmkinos.
  • Antifaschistische und emanzipatorische Kulturprojekte erhalten und fördern.
  • Einrichtung eines dekolonialen Beirats zur Aufarbeitung der Kolonialgeschichte Frankfurts.

Musik und Clubkultur

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Die Musikschulen leisten einen zentralen Beitrag zur musikalischen Bildung. Wir wollen sie besser ausstatten und allen Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit geben, ein Musikinstrument zu erlernen – unabhängig vom Geldbeutel der Eltern. Musiker*innen brauchen Räume zum Proben. Wir wollen die Frankfurter Clubszene erhalten und das Clubsterben bekämpfen.

Die Linke fordert:

  • Förderung der Musikschulen ausbauen und verstetigen, für besseren Zugang und sichere Beschäftigungsverhältnisse.
  • Zusätzliche günstige Proberäume schaffen.
  • Clubsterben verhindern: Bessere Förderung der Clubszene, zum Beispiel mit einem Kredit- und Sanierungsfonds. Langfristige Mietlösungen und ggf. die Nutzung öffentlicher Immobilien.

Vorlage:Zitat

Die Linke. Kreisverband Frankfurt am Main: Programm zur Kommunalwahl am 15.03.2026. Beschluss der Kreismitgliederversammlung vom 25. Oktober 2025, Kapitel 17: „Kultur für alle“ (S. 56–58).